WLAN für Großveranstaltungen (Orbi AX6000)¶
Diese Anleitung beschreibt eine erprobte WLAN-Konfiguration für den Einsatz in großen Sporthallen mit dichter Funkumgebung. Bezugsgerät ist der Netgear Orbi AX6000, die Empfehlungen lassen sich auf vergleichbare Tri-Band-Mesh- Systeme übertragen.
Ausgangssituation¶
Typischer Einsatz mit:
- ca. 3 500 Zuschauern
- vielen fremden WLANs und Smartphones
- ca. 20 Tablets mit dauerhaften Socket-Verbindungen
- 1 Aufnahme-Handy
- 1 Anzeige-Tablet
- Videoübertragung nur bei Bedarf
- Videodateien ca. 80 MB pro Transfer
- Sichtlinie teilweise bis ca. 40 m
Ziele:
- stabile Socket-Verbindungen
- keine Unterbrechungen während Videoübertragungen
- keine automatischen Bandwechsel
- möglichst geringe Latenz
Wichtige Erkenntnisse¶
Die Hauptprobleme entstehen nicht durch die Datenmenge selbst, sondern durch:
- WLAN-Airtime-Auslastung
- viele kleine parallele Socket-Pakete
- große Burst-Transfers
- automatische Kanalwechsel
- Band Steering / Roaming
- überfüllte Funkumgebung
Netzwerk-Setup¶
Haupt-Orbi¶
- Modus: Router-Modus
- Aufgaben: DHCP, Hauptrouting, Internet/Uplink
Zweiter Orbi¶
- Modus: Access Point (AP)
- Verbindung: möglichst per Ethernet
Vorteile dieser Variante:
- bessere Funkzellenaufteilung
- geringere Airtime-Auslastung
- weniger Retransmits
- bessere Client-Verteilung
Hinweis: Den zweiten Orbi nicht als Mesh-Satellit betreiben, wenn eine getrennte Kanalplanung gewünscht ist.
Orbi-Satellit¶
- Empfehlung: zunächst deaktiviert lassen
- Nur verwenden, wenn echte Funklöcher entstehen oder bestimmte Bereiche instabil bleiben.
Nachteil: Satelliten übernehmen die Kanalplanung des Haupt-Orbis und reduzieren die Kontrolle über die Funkzellen.
TP-Link AC1200 (Nahbereichs-AP)¶
Lokaler Access Point für problematische Kampfrichterpositionen.
- Verbindung: per Ethernet anbinden
- eigene SSID (z. B.
JUDGE_LOCAL) - nur lokale Geräte verbinden
- kleine Funkzelle, reduzierte Sendeleistung
Warum sinnvoll: bei großen Menschenmengen entstehen starke Dämpfungen und Retransmits. Ein lokaler AP direkt in der Nähe der Kampfrichter reduziert Distanz, Paketverluste und Airtime-Probleme.
SSID-Aufteilung¶
Drei dedizierte SSIDs verhindern, dass die Videoübertragung die Tablet-Sockets ausbremst und entlasten Problemzonen.
| SSID | Verwendung | Band |
|---|---|---|
| TABLETS_24 | Tablets, Socket-Kommunikation | 2.4 GHz |
| VIDEO_5G | Aufnahme-Handy, Anzeige-Tablet | 5 GHz |
| JUDGE_LOCAL | problematische Kampfrichterpositionen | lokal passend |
Smart Connect¶
- Einstellung: AUS
- Verhindert automatisches Band Steering, Wechsel zwischen 2.4 GHz und 5 GHz und dadurch entstehende Socket-Unterbrechungen.
2.4-GHz-Konfiguration (TABLETS_24)¶
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Kanal | fest: 1, 6 oder 11 |
| Kanalbreite | 20 MHz empfohlen |
| Koexistenz | "20/40 MHz-Koexistenz" aktiviert lassen |
| Sendeleistung | bei 2 Orbis: 50–75 % |
Warum 2.4 GHz für die Tablets:
- robuster bei großen Menschenmengen
- stabiler bei langen Distanzen
- besser geeignet für viele kleine Echtzeitpakete
5-GHz-Konfiguration (VIDEO_5G)¶
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Kanal | fest aus 36 / 40 / 44 / 48 |
| Kanalbreite | 40 MHz empfohlen |
| Sendeleistung | bei 2 Orbis: ca. 75 % |
| DFS-Kanäle | nicht verwenden |
DFS-Kanäle werden bewusst gemieden, weil:
- automatische Kanalwechsel möglich sind
- Radarerkennung Fehltrigger auslösen kann
- dadurch Socket-Unterbrechungen entstehen können
DFS-Kanäle auf einen Blick¶
- Nicht verwenden: 52–64, 100–140
- Verwenden: 36–48
Kanalplanung¶
Beispiel mit zwei Orbis und einem zusätzlichen TP-Link:
| Gerät | 2.4-GHz-Kanal | 5-GHz-Kanal |
|---|---|---|
| Orbi 1 | 1 | 36 |
| Orbi 2 | 6 | 44 |
| TP-Link AC1200 | 11 | optional |
Weitere Einstellungen¶
MU-MIMO¶
- Einstellung: EIN
- Sinnvoll bei vielen gleichzeitigen Clients, parallelen Datenströmen und vielen kleinen Paketen.
Fast Roaming¶
- Einstellung: AUS
- Verhindert aggressive AP-/Satellitenwechsel und kurze Socket-Unterbrechungen.
Präambelmodus¶
- Einstellung: Automatisch
- Moderne Geräte verwenden Short Preamble von sich aus.
SSID-Broadcast¶
- Einstellung: EIN
- Versteckte SSIDs verursachen oft mehr Reconnects, instabileres Verhalten und aggressiveres Suchverhalten der Clients.
Bandbreite pro SSID¶
- Aktivieren: JA
| SSID | Anteil |
|---|---|
| TABLETS_24 | 85–90 % |
| VIDEO_5G | 10–15 % |
Begründung: Tablets benötigen stabile Latenz und kontinuierliche Verbindungen, Videoübertragungen dürfen langsamer sein und mehrere Sekunden dauern.
Tablet-Konfiguration¶
Auf jedem Tablet, das im Wettkampf eingesetzt wird:
- nur das benötigte WLAN speichern
- automatische WLAN-Wechsel deaktivieren
- WLAN-Assistenten deaktivieren
- Akkuoptimierung deaktivieren
- Energiesparmodus deaktivieren
- WLAN im Standby aktiv lassen
Erwartetes Ergebnis¶
Mit dieser Konfiguration sollten:
- Socket-Unterbrechungen deutlich reduziert werden
- Videoübertragungen weniger störend wirken
- keine Bandwechsel mehr auftreten
- die WLAN-Stabilität in der Halle deutlich steigen
Zusammenfassung der finalen Einstellungen¶
| Einstellung | Empfehlung |
|---|---|
| Smart Connect | AUS |
| Tablets | 2.4 GHz |
| Video | 5 GHz |
| 2.4-GHz-Kanal | 1 / 6 / 11 fest |
| 2.4-GHz-Breite | 20 MHz |
| 5-GHz-Kanal | 36–48 fest |
| 5-GHz-Breite | 40 MHz |
| DFS | AUS / vermeiden |
| MU-MIMO | EIN |
| Fast Roaming | AUS |
| Präambelmodus | Automatisch |
| SSID-Broadcast | EIN |
| Bandbreite pro SSID | EIN |